Slowenien war Neuland für mich, stand aber schon länger auf meiner „musst du mal irgendwann machen“ Liste. Diesen Sommer war es dann endlich soweit: zu allererst ein Abstecher in die charmante Hauptstadt Ljubljana und anschließend für einen längeren Aufenthalt in den südwestlichen Zipfel Sloweniens.
Genauer gesagt ging es nach Komen. Hier ist das Restaurant Špacapanova Hisa zuhause und hält auch einige Zimmer für ihre genussverwöhnten Gäste bereit.
Unweit der italienischen Grenze begrüßt Ago Špacapan uns herzlich auf der mit Weinreben berankten Terrasse. Bereits seit 1973 werden hier Gäste kulinarisch beherbergt, was dem Restaurant nicht anzusehen ist. Zwar etwas rustikaler eingerichtet, hält es doch etwas Zeitloses für seine Gäste bereit.
Gleich zu Beginn reicht uns Ago Špacapan, der das Restaurant mit seinen Eltern in die Moderne führt, einen Schaumwein von der Domaine Slapšak aus der Region. Es ist einer der ersten Schaumweine Sloweniens, cuveetiert mit 50% Reservewein, was man auch sofort schmeckt. Frisch, sanft hefebetont und dezent würzig – kein übler Start in den Abend und so versinken wir genüßlich in unseren Sesseln und genießen den ersten Gruß aus der Küche, der in einer mit Moos ausgelegten Weinkiste serviert wird.

Es ist ein Macaron mit Kapaun Paté und Sichuan Pfeffer und wie ich finde, verschlingt man die herzhaften Macarons genauso schnell wie ihre süßen Vertreter.
Weiter geht es mit Forellentartar und Gurkenschaum in kleinen an Eiswaffeln erinnernden Gebilden, die dem kleinen Happen den gewissen Knusper verleihen. Herrlich leicht und frisch.

Fortgeführt wird die kulinarische Reise im Kars mit einem weiteren herzhaften Gruß – knusprige Salbeiblätter mit Akazienhonig, die sich am Gaumen als wahre Aromaexplosion entpuppen.

Darauf folgt Seebarsch, Orange und Meerrettich auf einem Brot Kristall angerichtet. Der Fisch ist fein gegart und bringt zart fruchtige Aromen mit.

Ofenwarmes Sauerteigbrot und Hefebutter erreichen unseren Tisch. Dazu wird ein weiterer Wein eingeschenkt. Der Fedora Zelen 2021 ergießt sich goldgelb ins Glas, wobei es sich bei Zelen um eine im Vipava Tal beheimatete weiße Rebsorte handelt.

Kräuterig, dezent gelbfruchtig und cremig begleitet der Wein die dünn aufgeschnittene Rinderzunge, die mit fermentiertem Tomatenwasser, Kräutern und Sonnenblumenkernen gereicht wird. Dazu gesellt sich Gugelhupf Brioche mit getrockneten Tomaten und Saatenbrot. Alle Brote werden, wie wir erfahren, in der hauseigenen Küche zubereitet und gebacken.

Uns bleibt der Genuss, irgendwo in der Ferne ziehen Wolken auf, leises Grollen ist zu vernehmen.
Für die Region typisch sind hausgereifte Schinken und Würste, die vom Gastgeber Ago als weiterer Gang an unserem Tisch aufgeschnitten werden. Der gereifte Käse wird auf kleinen Porzellantellern serviert und mit hausgemachtem Balsamico beträufelt.

Der Gastgeber fährt fort mit einem Wein aus dem familieneigenen Weinberg – 2018 Rebula, ein Orange Wein, wie er typisch für diese Region ist, nicht zu säurelastig und mit feinen Tanninen versehen, die der längeren Maischestandzeit zu verdanken sind.
Die Anrichteweise der Aubergine mit frischem Kuhmilchkäse von Zidarich (ja, das ist der Bruder des weinmachenden Zidarich), hausgemachtem Špacapan Pancetta mit Basilikum, Tomate und Polenta erinnern mich an die italienische Tricolore.

Ein ausgesprochen herzhafter Gang, zu dem der 2020er Pinot Grigio des Weinguts Šumenjak aus der Slowenischen Steiermark eingeschenkt wird. Dunkelfarbiges Orange mit dezentem Säurenerv, gut gereiften Tanninen und mittelkräftigem Schwung pusht das mediterrane Potpourri.

Darauf folgt ein 2020er Vitovska Grganja aus den hauseigenen Weinbergen im Kars. Die Vitovska Traube genießt in der Region hohes Ansehen als regionale Spezialität – eher säurebetont und langlebig, wenn sie wie hier reinsortig mit etwas Maischestandzeit ausgebaut wird. Sie begleitet auf tänzelnde Weise das Risotto mit Tomatenwasser und Basilikum. Eine Aromenbombe!

Fast augenblicklich donnert es über uns. Erste dicke Regentropfen zwingen uns, die von dicken Gewitterwolken verdunkelte Terrasse zu verlassen, und an einem großen Holztisch im Innenbereich Platz zu nehmen. Ago, unser Gastgeber, bleibt gelassen.

Wir dürfen kurz innehalten und erfrischen unsere Gaumen mit Granita von grünem Apfel, Ingwer, weißer Melone und Basilikum bevor der erste Rotwein des Abends eingeschenkt wird. Wir trinken einen leicht gekühlten 2015er Merlot des Weinguts Pregeljc aus dem Vipava Tal während auf der Terrasse die Welt unterzugehen scheint.

Der Hauptgang ist zart geschmortes Kaninchen mit Erbsschoten, wildem Gemüse, eingelegten Zwiebeln, Pasta Talern und Kräutern. Das Gericht steckt voller Wärme, sommerlichen Aromen und Herzhaftigkeit, unglaublich fein abgestimmt, und lässt zu nächtlicher Stunde erneut die Sonne aufgehen.

Nach einer kurzen Pause wird zum Dessert, einer Strudelinterpretation mit Rhabarbereis, ein 10jähriger Ruby Port von Grahams gereicht. Für mich persönlich ein etwas zu dickes Geschoss für den modern interpretierten, fein angerichteten Špacapan Strudel.

Schlußendlich wird auf kleinen Keramiktellern, traditionellen, slowenischen Holzlöffeln und einem großen Stück Baumrinde eine Auswahl an Petits Fours serviert.
Wir bewundern ein kleines Butterkörbchen gefüllt mit cremigem Schafskäse und Himbeeren, Pfirsich Weißweinkugeln, Schokoladenpralinen mit Haselnuss, dehydrierte Erdbeeren mit gereiftem Balsamico und traumhafte Pavlova mit Mandarinensorbet, Ananas und Minze – ein Geschmacksgewitter und wahrlich beachtlicher Abschluss unserer ersten Fine Dining Menüerfahrung in Slowenien.

Und so verabschieden wir uns vom Hausherrn und seinem Team mit gut gefüllten Bäuchen, weinseligen Gesichtern und um eine regional inspirierte, kulinarische Reise reicher. Da wir das Špacapanova Hisa am heutigen und den darauffolgenden Tagen unser Zuhause nennen durften, fielen wir buchstäblich nur die Treppe hinauf in unsere behaglichen Betten und lauschten dem Regen.
Das Restaurant und sein Team hat seit unserem Besuch im Sommer 2023 einen grünen Stern im Guide Michelin erlangt, was mich überhaupt nicht wundert und zu dem ich auf diese Weise nochmal gratulieren möchte. Well deserved!!
Ein weiterer Punkt zu Slowenien als Reiseland darf nicht unerwähnt bleiben: überall wird man herzlich und sehr gastfreundlich empfangen. Die Menschen sind überaus hilfsbereit und serviceorientiert und kommunikativ kommt man gut mit Englisch voran und wenn es sein muss auch mit Händen und Füßen.

Zusatztipp:
Lasst euch unbedingt die im Keller beheimateten Reiferäume zeigen, in denen unzählige Keulen von Haus- und Wildschweinen zu köstlichem Schinken heranreifen dürfen sowie etliche Glasballons mit Likören, die Süße der Früchte zurückliegender Jahre mazerieren.

Eine alte Zisterne dient mit ihrem feuchtkühlen Klima als Lagerraum für die vielen von Ago ausgewählten Naturweintropfen und den von ihren Nachbarn hergestellten Rohmilchkäsen.

Eine weitere Attraktion ist ein vom Hof zugänglicher Raum, der mit vielen kleinen verschieden großen Fässern bestückt ist, in dem Essige aus zig Jahrgängen und Früchten auf ihren kulinarischen Einsatz warten.

