Verschiedene Teller mit Pfannkuchen und Ente

Berlin meets China

Freitag Abend in Berlin. Es ist 20:00 Uhr und ich habe eine Reservierung in der Ming Dynastie gegenüber der Chinesischen Botschaft. Ohne geht gar nichts, so scheint es, denn das Chinesische Restaurant ist zu dieser Stunde rappelvoll. Im Eingangsbereich warten weitere Interessenten auf den nächsten freiwerdenden Tisch.
Im großen, vollbesetzten Gastraum sitzen zahlreiche Asiaten, Touristen, Expats und Berliner. Es herrscht reges Treiben. Wie in einem Bienenstock wandeln die Kellner emsig zwischen den Tischreihen hin und her, balancieren dabei gekonnt bis zu fünf Gedecke mit einem Mal. Schnell werden meine Begleitung und ich zum Tisch geleitet, die Speisekarten überreicht und fürs erste uns selbst überlassen. Eine gefühlte Ewigkeit studieren wir die Speisekarte, überlegen, schauen auf die Teller der Nachbartische und hoffen auf Erleuchtung.

Wir entscheiden uns für eingelegte Hühnerfüße und Tofu mit Tausendjährigem Ei sowie Pfannkuchen mit Schweinebauch und saurem Gemüse. Als Hauptgang fällt unsere Wahl auf eine halbe Peking Ente mit Lauch, Gurke, Hoisin Soße und Pfannkuchen.


Dazu ordern wir beim Kellner eine Flasche Wasser und einen Kühler für unseren mitgebrachten Orangewein. Gegen Zahlung eines Korkgeldes ist Fremdtrinken in der Ming Dynastie ausdrücklich erlaubt.

Zwei Weingläser mit Orangewine und Flasche
2019 Cantodelgrillo von Abbazia San Giorgio auf Sizilien

Und so genießen wir einen 2019er Cantodelgrillo vom Weingut Abbazia San Giorgio aus Sizilien: 100% Grillo, 15 Tage Maischestandzeit, moderater Alkoholgehalt von 12,5%vol mit frischer Säure, reifen Gerbstoffen, dezent gelbfruchtigen Aromen, terroir geprägter Würze und umami lastigem Finish. Ein köstlicher Speisebegleiter und so prosten wir uns voller Vorfreude zu.

Schalen mit chinesischen Vorspeisen
Rechts: eingelegte Hühnerfüße mit Zitrone und Chili


Schon trudeln die kalt servierten Hühnerfüße bei uns ein. Sie sind mit Zitrone und Chili abgeschmeckt. Gewöhnungsbedürftig denke ich beim ersten Bissen. Greife aber dennoch zwei weitere Male zu, bevor ich mich überwiegend dem Tofu mit tausendjährigem Ei widme.

Flache Schale mit Tofu
Tofu mit Tausendjährigem Ei

Überzeugend wie ich finde, denn hier wird seidigste Tofuhaptik mit Mega Umami und einem herzhaften Sojasaucen-Sesamöl-Dressing vereint.

Pfannkuchen
Pfannkuchen mit Schweinebauch und saurem Gemüse

Der warm, knusprige Pfannkuchen erinnert geschmacklich schon an Schwein und saures Gemüse wie in der Karte beschrieben, hält jedoch meiner Erwartung nach mundgroßen, saftigen Schweinebauchstückchen nicht stand.

Verschiedene Teller mit Pfannkuchen und Ente
Peking Ente à la Ming Dynastie


Nachdem die halbe, hauchzart tranchierte, knusprige Peking Ente mit allen dazugehörigen Zutaten und unter freundlicher Genussanleitung seitens des Kellners unsere Bäuche füllen durfte, genehmige ich mir einen üppigen Schluck des goldgelben sizilianischen Naturweins und bestelle zufrieden unsere Rechnung.
Zum Abschluss knacken wir unsere Glückskekse wohlwissend, dass wir irgendwann wieder einkehren werden.

Glückskekes mit Weisheiten

TIPP:
Es ist ratsam, sich die großzügig bemessenen Portionen zu teilen und damit eine größere Variation an Speisen genießen zu können. Wer trotzdem schwächelt, bekommt ganz schnell ein Doggy bag. Die sind hier mega en vogue.
Allen Weingenießern mit ausgesuchtem Geschmack rate ich, sich eigenen Wein mitzubringen. Sicherheitshalber bei der Reservierung angeben.
Den Wein habe ich in der Weinhandlung am Holzmarkt erworben, die ein paar wahre Schätze im Naturweinbereich bereithält. Schaut doch mal vorbei!