Aus Mailand kommend übernahmen Helena und Dante Lomazzi 2003 das Familienweingut und setzten ihre eigenen Ideen in die Tat um. Die quirlige Großstadt im Norden Italiens hatte sie ermüdet und so bot sich mit der Übernahme des toskanischen Weinguts die Möglichkeit, ihre Vorstellungen von einem anderen Leben, einem Leben im Einklang mit der Natur, zu verwirklichen.

Wie viele andere Naturwinzer der damaligen Zeit wurden auch sie für ihre Herangehensweise des „low intervention“ (des geringen Eingreifens) sowohl im Weinberg als auch im Keller belächelt oder als arbeitsfaul abgetan.

Dabei fällt auf dem 4 Hektar großen Paradies in Colle Val d’Elsa, zwischen Siena und Florenz, enorm viel Handarbeit an. Das Kleinod begrenzt durch Brombeerhecken, Eichen, Feigen- und Granatapfelbäume, einen kleinen Wald und eine Allee aus Oliven- und Kernobstgehölzen wird biodynamisch bewirtschaftet.
Es werden ausschließlich vitalisierende Zubereitungen – ähnlich der Homöopathie – für den Boden und die Reben eingesetzt. Die sanften Hänge werden so wenig wie möglich mit schwerem Gerät befahren, um eine übermäßige Bodenverdichtung zu vermeiden. Auf einen Grünschnitt im heißen toskanischen Sommer wird verzichtet, um die Trauben ausreichend zu beschatten, als auch das tiefe Wurzeln der Rebstöcke zu ermöglichen. In den vergangenen Jahren machte vor allem die Trockenheit den einheimischen Winzern zu schaffen, doch Helena und Dantes Weinberg strotzt nur so vor Vitalität und üppigem Grün.

Unzählige Insekten, flinke Eidechsen, zahlreiche Vogelarten, Stachelschweine und Rehe sind permanente Bewohner dieses lebhaften Weinbergs.
Dieses harmonische Zusammenspiel von Flora und Fauna ist körperlich spürbar und spiegelt sich in den Weinen der beiden wider. Sogar die Stille erzeugt wohlige Klänge – die Natur gibt den Rhythmus vor: das Rascheln des Reblaubs, das Wiegen der Bäume, das Pfeifen des Windes.

Weißer Trebbiano und Malvasia sowie roter Sangiovese, Canaiolo, Colorino, Malvasia Nera und Cabernet Sauvignon wurzeln hier tief in Lehm- und Tonerde mit unzähligen Fossilien, die im oberen Bereich des Rebbergs als Muschelsegmente aus dem Boden hervortreten und die Überreste eines in geraumer Vorzeit vorhandenen Urmeeres aufzeigen.
Auf ihrem westlich geneigten Hügel sind die Trauben einer steten Brise ausgesetzt, die vom Mittelmeer herüber weht. Sie sorgt vor allem für eine angenehme Frische in den mittelkräftigen Weinen. Darunter ist ein Toscano Bianco, ein Rosato, ein Ancestrale in Weiß und Rosé sowie ein Rosso Toscano von neuen, als auch – ihr bedeutendster Wein – von alten Reben zu finden.

Sie erlangen ihren Ausdruck an diesem paradiesischen Ort: energetisch aufgeladen, lebhaft und doch in sich ruhend, dicht, dezent fordernd, dabei gefühlvoll, den Gaumen liebkosend.
Die Weine von Helena und Dante sollte jeder neugierige Naturweinliebhaber unbedingt probiert haben – meiner Meinung nach ein absolutes Must Buy and Must Drink!

