Die Weine von Maria und Sepp Muster kenne ich durch meine Arbeit schon seit Langem. Jedoch hatte ich bisher nie die Chance, mir ihren besonderen Ort in Leutschach an der südsteirischen Weinstraße persönlich anzuschauen.

Voller Vorfreude erreichte ich das in warmem sonnnengelb getünchte Weingut hoch oben auf dem Weinberg. Eine herzliche Begrüßung und dann ging es direkt in die Weinberge. Einatmen, beobachten, anfassen und Marias Worten lauschen.
Dabei gab es Neues zu erfahren über die bereits vom Vater angewandte Reberziehung, nach der auch Maria und Sepp ihre gesunden Rebstöcke wachsen lassen. Dabei ranken die Triebe ihrem natürlichen Drang entsprechend erst nach oben, um dann aufgrund von Schwerkraft und Behang gen Boden zu streben. Dadurch entstehen terroirbetonte Weine, die weniger fruchtig, eher erdig betont sind.

Für die tiefe Strahlkraft und Langlebigkeit der Weine ist auch der hier vorherrschende Kalkmergelboden verantwortlich, der mit höherem Kalkanteil blauer, mit höherem Sandanteil brauner Opok genannt wird und ein schiefriges Aussehen besitzt. Er ist schwer zu bearbeiten, fest verdichtet und fördert aufgrund seiner festen Struktur das tiefe Wurzeln der Rebstöcke.
Maria und Sepp verarbeiten größtenteils weiße Rebsorten wie Sauvignon Blanc, Morillon, Gelber Muskateller und Welschriesling aus biodynamischer Bewirtschaftung. Nur ein kleiner Teil Blauer Zweigelt, Blaufränkisch und Blauer Wildbacher wird im Weingut zu Rosé oder Rotwein verarbeitet.

Die Trauben werden vollreif mit der Hand gelesen und beschädigte Beeren akribisch aussortiert, um saubere Weine zu erzeugen. Der Großteil der Trauben wird gerebelt und direkt abgepresst, die Ausnahme bilden die Orange- und die Rotweine. Fast alle Weine werden in großen gebrauchten Gebinden vergoren und ohne Zusatzstoffe abgefüllt. Im Anschluß werden sie über 2 Jahre im Weingut gelagert, denn Maria und Sepp legen großen Wert darauf, ihre Weine mit einer gewissen Reife auf den Markt zu bringen.
An diesem spätsommerlichen Samstag präsentieren sich ihre Weine allesamt sehr fein, tiefgründig, vital und sehr zugewandt.
Bei der Opok Linie zeigen sich eher fruchtige Aromen von Lychee und Mango aber auch Liebstöckel, weißer Pfeffer und kräutrige Noten.
Bei den Orange Weinen wie der Gräfin, die ausschließlich aus Sauvignon Blanc gekeltert wird, und der Erde, aus Sauvignon und Morillon, sind puristische Eleganz und Lebendigkeit spürbar. Es zeigen sich Aromen von Lindenblüten, Karamell & schwarzem Tee, die langanhaltend nachhallen.

Die Graf Linie besticht durch eine feine, kräutrige Aromatik. Die Weine sind sehr ausgewogen und besitzen eine zauberhaft einnehmende Art.
Ein weiteres Mal haben mir die Weine von Maria und Sepp Muster aufgezeigt, auf welch hohem Niveau diese Weine schwingen. Sie sind die Essenz dessen, was aus dem Vertrauen in die Natur, dem Zulassen und annehmen, ein Finden von Ursprünglichkeit macht.
Beeindruckend!

